Flow als Eigenschaft von Arbeit

Software-Entwicklung ist im Idealfall ein stetiger Fluss von Wissen und Entscheidungen, die vom Kunden zum Entwicklungsteam fließen und von dort wieder zurück zum Kunden, als fertige, lauffähige Software.

Arbeit, in kleine Portionen aufgeteilt, fließt vom Kunden zu Analysten, Entwicklern, Testern, Betriebspersonal und wird als werthaltige Software dem Kunden zurückgeliefert. Dabei konzentrieren sich alle Beteiligten darauf, immer nur das Notwendige zu tun und alles Unnötige wie z.B. zu viele Übergaben, Nacharbeit, Verzögerungen zu vermeiden.

Jeder nimmt sich aktuell nur so viel Arbeit wie er zeitnah erledigen kann. Niemand produziert Ergebnisse “auf Vorrat”.

Das bedeutet Flow, wenn man es im Alltag umsetzt:

  1. Analysiere nur so viel wie Du aktuell entwickeln kannst.
  2. Entwickle nur so viel wie Du testen kannst.
  3. Teste nur so viel wie Du in Betrieb nehmen kannst.
  4. Nimm nur so viel in Betrieb wie der Kunde auf einmal anschauen kann.
  5. Hör dem Kunden zu, nimm Feedback auf und gehe zu Schritt 1.

Und bei all dem: Lass Deinen Nachfolger im Prozess entscheiden, wie viel Du tun oder liefern sollst! Limitiere WIP = work in progress, also die Zahl der Aufgaben, die Du gleichzeitig tust.

Flow als Erlebnis

Ein Team, das im Fluss arbeitet, erlebt ihn auch als Zustand der Psyche. Flow bedeutet hier das Gefühl des völligen Aufgehens in einer Tätigkeit, auf Deutsch könnte man schöpferische Leidenschaft oder fokussierte Aufmerksamkeit sagen. Unüberspannt, während der Wille zentriert ist – Konzentration, ohne erzwingen zu wollen. In diesem Zustand besteht völlige Harmonie zwischen dem limbischen System, das die Emotionen steuert, und dem kortikalen System/Neocortex, dem der Sitz für Bewusstsein und Verstand zugeordnet wird. Man kann es philosophisch ausdrücken: Flow ist eine Form von Glück, auf die man Einfluss hat.

Der Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi definiert den Flow wie folgt:

  • Die Aktivität hat deutliche Ziele.
  • Die Aktivität hat unmittelbare Rückmeldung.
  • Die Tätigkeit hat ihre Zielsetzung bei sich selbst.
  • Wir sind fähig, uns auf unser Tun zu konzentrieren.
  • Anforderung und Fähigkeit stehen im ausgewogenen Verhältnis, so dass weder Langeweile noch Überforderung entsteht.
  • Wir haben das Gefühl von Kontrolle über unsere Aktivität.
  • Mühelosigkeit entsteht: Unsere Sorgen um uns selbst verschwinden.
  • Unser Gefühl für Zeitabläufe ist verändert:
Handlung und Bewusstsein verschmelzen.

In diesem Zustand entstehen erfahrungsgemäß die bestern Ergebnisse. Er ist erstrebenswert.